Editorial
Der Leitungskreis des FFE hat in einem Offenen Brief an die badische Landesbischöfin Dr. Heike Springhart noch einmal angemahnt, die Landeskirche möge sich zum israelischen Vorgehen in Gaza äußern. Ihr Stellvertreter OKR Wolfgang Schmidt antwortete umgehend mit viel Verständnis für unsere Argumente und äußerte die Hoffnung, die Herbstsynode werde ein klares Wort sprechen. Wir dokumentieren die Korrespondenz. Inzwischen hat die Synode getagt. Wolfgang Schmidts Hoffnung hat sich nicht erfüllt.
Worin liegt die Unausweichlichkeit einer kirchlichen Stellungnahme? Nach Amnesty International (Dezember 24) und der Internationalen Vereinigung von Völkermordforschern (August 25) hat nun auch die Untersuchung des UN-Menschenrechtsrates Israels Vorgehen in Gaza als Völkermord erwiesen. Damit es nicht bei einem (vom Geschehen selbst ablenkenden!) Streit um Begriffe bleibt, dokumentieren wir die Beweisführung des Holocaustforschers Omer Bartov. Wenn es aber um Genozid geht, kann eine Kirche, deren historisches Versagen gerade im schweigenden Hinnehmen eines Genozids bestand, sich nur bei Verlust jeder Glaubwürdigkeit wegducken.
So wie eine große Gruppe deutscher und europäischer Diplomaten (s. FFE-Website), hat auch die Autorin des vielbeachteten Buches „Den Schmerz der Anderen begreifen“ Charlotte Wiedemann in Bezug auf die deutsche Politik einen Sinneswandel im Verhältnis zum Staat Israel gefordert. Ihre Argumentation ließe sich ebenso auf die deutschen Kirchen übertragen.
Die militärischen Angriffe Israels und der USA auf den Iran wurden im Land der doppelten Standards höchst fragwürdig kommentiert – man erinnere die skandalöse Äußerung von Bundeskanzler Merz, da werde „die Drecksarbeit für uns alle“ gemacht. Daher sah sich der Leitungskreis zu einer öffentlichen Stellungnahme veranlasst. Als Friedensinitiative müssen wir – siehe letzter Studientag – die Vereinten Nationen und das Völkerrecht stärken und Alarm schlagen, wenn internationales Recht mit Füßen getreten wird.
Themenwechsel: Der Ukrainekrieg geht unvermindert weiter. Nachdem das mitverursachende geopolitische Interesse Amerikas geschwunden scheint, hat jetzt Europa mit einer „Koalition der Willigen“ das Ziel, Russland niederzuringen, auf eigene Kosten übernommen. Schon ist die Rede vom deutschen Führungsanspruch bei diesem Unternehmen. Die außen- wie innenpolitischen Auswirkungen sind fatal.
Das FFE war Mitveranstalter der Heidelberger Friedenskonferenz. Wir dokumentieren den Vortrag des einschlägigen Historikers Prof. Dr. Wolfram Wette, der im Rückblick auf die wechselhafte Geschichte der deutsch-russischen Beziehungen auch in Zeiten des Konfrontationskurses an Maximen der Entspannungspolitik festhält, weil es in Europa keine Friedensordnung unter Ausschluss Russlands geben kann. Sein Vortrag ist auch erschienen in: Die Versöhnung mit Russland als Auftrag. Eine Textdokumentation mit drei Beiträgen von Ulrich Frey, Werner Krusche und Wolfram Wette, edition pace, Band 37.
Wir können mit Stolz sagen, dass wir in den Auseinandersetzungen in der KoopFrieden als FFE zur Einheit der von Spaltung bedrohten Friedensbewegung beigetragen haben, so dass in diesem Herbst bei Aufrufen zu den Großdemonstrationen in Berlin und Stuttgart kein Gegeneinander mehr passierte wie 2024. Die mutmachende Rede von Jürgen Grässlin in Berlin ist umgehend auf unserer Website eingestellt worden. Hier dokumentieren wir, was in Stuttgart Margot Käßmann sagte, und dazu noch Ronja Fröhlich, eine junge Stimme vom Bündnis „Nein zur Wehrpflicht“. Nach neuesten Umfragewerten hat die ubiquitäre Bedrohungspropaganda inzwischen eine mehrheitliche Bejahung einer Wiedereinführung der Wehrpflicht erreicht – allerdings nicht bei der jungen Generation. Das lässt denn doch hoffen. Der Leitungskreis setzt sich zurzeit für einen Wiederaufbau der verfallenen Strukturen einer kirchlichen KDV-Beratung ein.
Den Abschluss bilden Buchempfehlungen und die Einladung zur Heidelberger Friedenskonferenz.
Inhalt
| Editorial von Manfred Jeub | 1 |
| Impressum | 2 |
| Gaza und die Sprachlosigkeit unserer Kirche Offener Brief des Leitungskreises an die Leitung der Badischen Landeskirche (9.August 2025) | 3 |
| Antwort von OKR Wolfgang Schmidt in Vertretung der Landesbischöfin (13. August 2025) | 5 |
| Nie wieder! Ich bin Genozidforscher. Ich erkenne einen Völkermord, wenn ich ihn sehe. Essay von Prof. Dr. Omer Bartov (15. Juli 2025) | 6 |
| Deutsche Israel-Politik: Auf das Versagen muss Einsicht folgen von Charlotte Wiedemann (14. Oktober 2025) | 11 |
| Stellungnahme zum Angriff Israels und der USA auf den Iran Presseerklärung des Leitungskreises von Forum Friedensethik (28.Juni 2025) | 12 |
| Frieden mit Russland – eine immer noch unerledigte Aufgabe. Kontinuitäten und Brüche in den deutsch-russischen Beziehungen 1941-2025 Vortrag von Prof. Dr. Wolfram Wette bei der Heidelberger Friedenskonferenz (22. Juni 2025) | 14 |
| Reden auf der zentralen Friedensdemonstration am 3. Oktober in Stuttgart | 23 |
| 1. Margot Käßmann | 23 |
| 2. Ronja Fröhlich, Bündnis Nein zur Wehrpflicht | 25 |
| Buchempfehlungen von Dietrich Becker-Hinrichs und Manfred Jeub | 26 |
| Nach dem FFE-Studientag: Heidelberger Friedenskonferenz | 28 |
Jetzt Lesen
FFE-Rundbrief 3/25
Ausgabe Oktober 2025
Lesen Sie die die gesamte Ausgabe unseres Rundbriefs im PDF-Format. Sie können den Rundbrief ausdrucken oder ihn ganz einfach am Bildschirm lesen – wie immer es Ihnen beliebt.
FFE-Rundbrief 3/25
zum Download im PDF-Format:
