Stimmen der Vernunft zum neuerlichen Gaza-Krieg

Diskurs-Spiegel

Wir geben im Folgenden israelische, palästinensische und kirchliche Stimmen wieder, von denen wir den Eindruck haben, dass sie die Situation in Israel/Gaza realistisch benennen, die israelische wie palästinensische Seite im Blick haben und an Deeskalation interessiert sind, statt Öl ins Feuer zu gießen.

Es nötigt uns großen Respekt ab, wenn die von Gewalt unmittelbar Betroffenen formulieren: „Auch jetzt – und gerade jetzt – müssen wir unsere moralische und menschliche Haltung bewahren und dürfen nicht der Verzweiflung oder dem Drang nach Rache nachgeben.“ (Gemeinsame Erklärung von 27 israelischen NGOs)

Einig sind sich viele der Stellungnahmen darin, dass sich nun definitiv gezeigt hat, dass Israel die Sicherheit seiner Bürger mit der bisherigen Politik nicht schützen kann, sondern ein Richtungswechsel nötig ist: „Die große Frage, die sich stellt, ist, ob wir uns von diesen gescheiterten Konzepten mitreißen lassen, die sich immer wieder als schädlich erwiesen haben, oder ob wir uns einem grundlegend anderen Weg zuwenden, einem Weg, der nicht nur unseren Frieden sichert, sondern auch den ihren, unsere Zukunft an ihrer Seite, unsere Würde Schulter an Schulter mit ihnen zusammen.“ (Rabbies for Human Rights)

Wir wünschten uns, dass der Geist dieser Erklärungen mit ihrem klaren Nein dazu, Kriegsverbrechen mit Kriegsverbrechen zu beantworten, auch die in Deutschland politisch Verantwortlichen erreichte.

Stellungnahmen von Organisationen

Erklärung der israelischen Veteranenorganisation “Breaking the Silence”

Liebe Freunde,

der Angriff der Hamas und die Ereignisse, die sich seit gestern abspielen, sind unaussprechlich. Es bricht uns das Herz zu sehen, wie verängstigte Zivilisten in ihren Häusern belagert werden, wie unschuldige Menschen kaltblütig auf den Straßen, auf Partys und zu Hause ermordet werden. Dutzende wurden als Geiseln genommen und in den Gaza-Streifen verschleppt. Jeder von uns kennt jemanden, den es auf tragische Weise getroffen hat. Wir könnten endlos über ihre grausamen und kriminellen Handlungen sprechen oder uns darauf konzentrieren, wie unsere jüdisch-suprematistische Regierung uns an diesen Punkt gebracht hat. Aber so schwer es auch ist, unsere Aufgabe als ehemalige israelische Soldaten ist es, über das zu sprechen, wozu wir geschickt wurden.

Israels Sicherheitspolitik besteht seit Jahrzehnten darin, “den Konflikt zu managen”. Die aufeinander folgenden israelischen Regierungen beharren immer wieder auf Gewalt, als ob irgendetwas davon einen Unterschied machen würde. Sie sprechen von “Sicherheit”, “Abschreckung”, “Veränderung der Gleichung (equation)”.

All dies sind Codewörter für die Bombardierung des Gazastreifens zu Brei, immer mit der Begründung, dass sie gegen Terroristen gerichtet sind, aber immer mit schweren Opfern unter der Zivilbevölkerung. Zwischen diesen Runden der Gewalt machen wir den Menschen im Gazastreifen das Leben unmöglich und tun dann überrascht, wenn alles überkocht.

Wir reden von “Normalisierung” mit den Vereinigten Arabischen Emiraten und jetzt mit Saudi-Arabien und hoffen, dass die Welt ein Auge zudrückt, wenn wir in unserem Hinterhof ein Freiluftgefängnis bauen. Abgesehen von der unfassbaren Verletzung der Menschenrechte haben wir ein massives Sicherheitsproblem für unsere eigenen Bürger geschaffen.

Die Frage, die sich alle Israelis stellen, lautet: Wo waren die Soldaten gestern? Warum war das israelische Militär anscheinend abwesend, während Hunderte von Israelis in ihren Häusern und auf den Straßen abgeschlachtet wurden? Die unglückliche Wahrheit ist, dass sie “beschäftigt” waren. Im Westjordanland.

Wir schicken Soldaten, um das Eindringen von Siedlern in die palästinensische Stadt Nablus zu sichern, um palästinensische Kinder in Hebron zu jagen, um Siedler zu schützen, wenn sie Pogrome veranstalten. Siedler verlangen, dass palästinensische Flaggen von den Straßen von Huwara entfernt werden; Soldaten werden geschickt, um dies zu tun.

Unser Land hat vor Jahrzehnten beschlossen, dass es bereit ist, die Sicherheit seiner Bürger in unseren Städten zu opfern, um die Kontrolle über eine besetzte Zivilbevölkerung von Millionen von Menschen aufrechtzuerhalten, und das alles im Namen einer siedler-messianischen Agenda.

Die Vorstellung, dass wir den Konflikt “managen” können, ohne ihn jemals lösen zu müssen, bricht wieder einmal vor unseren Augen zusammen. Sie hat sich bis jetzt gehalten, weil nur wenige es wagten, sie in Frage zu stellen. Diese herzzerreißenden Ereignisse könnten das ändern. Das müssen sie auch. Für alle von uns zwischen Fluss und Meer.

Avner Gvaryahu, Direktor von Breaking the Silence
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Erklärung von Rabbis for Human Rights zu dem aktuellen Anschlag im Süden Israels

Wie viele hier und in der ganzen Welt sind auch wir schockiert, schmerzerfüllt und entsetzt über den mörderischen Angriff, der sich in den letzten 24 Stunden im Süden des Landes ereignet hat. Im Moment dauert der Angriff noch an, und viele unserer Freunde stehen unter Beschuss, einige wurden verletzt, und andere haben ihre Liebsten verloren. Auch wenn noch niemand das wahre Ausmaß dieser Tragödie abschätzen kann, so ist doch schon jetzt klar, dass wir es mit einem noch nie dagewesenen Ausmaß an Verlusten, Verletzungen und Entführungen zu tun haben.

Es bedarf einer gründlichen Untersuchung und eines Prozesses, in dem schwierige Schlussfolgerungen gezogen werden müssen, um das Ausmaß des Versagens, das diese Ereignisse ermöglichte, vollständig zu erfassen.

Eines ist jedoch schon jetzt schmerzlich klar: Diese Realität ist kein Schicksal, kein Mensch, kein Mann, keine Frau und kein Kind sollte in Angst leben, sich in Schutzräumen verstecken oder fliehen müssen, um Schutz zu finden. Sicherheit ist kein Privileg – sie ist ein Grundrecht, auf das jeder Mensch allein aufgrund seines Menschseins Anspruch hat.

Sie ist aber auch das, was allen Bewohnern dieses Landes, Israelis wie Palästinensern, seit viel zu vielen Jahren gestohlen wurde und eine Blutspur hinterlassen hat. Dieser Kreislauf muss ein Ende haben.

Es ist schon jetzt klar, dass die neue Realität, die uns erwartet, nicht so sein kann wie die bisherige. Die große Frage, die sich stellt, ist, ob wir uns von diesen gescheiterten Konzepten mitreißen lassen, die sich immer wieder als schädlich erwiesen haben, oder ob wir uns einem grundlegend anderen Weg zuwenden, einem Weg, der nicht nur unseren Frieden sichert, sondern auch den ihren, unsere Zukunft an ihrer Seite, unsere Würde Schulter an Schulter mit ihnen zusammen.

Wir trauern mit den Familien der Opfer, senden Heilungswünsche an die Verwundeten und ihre Angehörigen und beten für die rasche Freilassung der Gefangenen und die größtmögliche Linderung des Leids.

Möge der Herr seinem Volk Kraft schenken; möge der Herr sein Volk mit Frieden segnen.

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Beendet die Gewalt, lasst die Geiseln frei – Antwort auf den 7. Oktober – Internationale Akademiker-Initiative „Der Elefant im Raum“

Wir, die Unterzeichnenden, verurteilen die Hamas für ihre abscheulichen Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Diese Terroristen, die Hunderte von Zivilisten, Männer, Frauen, Kinder, Säuglinge und Senioren auf grausamste Weise abgeschlachtet und zahlreiche weitere entführt haben, müssen vor Gericht gestellt werden. Israel hat jedes Recht, sich zu verteidigen und diese Mörder zu verfolgen, wo immer sie zu finden sind.
In dieser Zeit des Schmerzes und der Verwüstung rufen wir Israel dazu auf,

  1. alles in seiner Macht Stehende zu tun, um die Geiseln zu befreien. Israel hält eine große Anzahl von Palästinensern in Gefängnissen gefangen, viele von ihnen sind ältere Menschen. Israel muss sich um einen Austausch von Gefangenen bemühen, um seine eigenen und die gefangenen Bürger anderer Länder vor dem sicheren Tod zu bewahren.
  2. darauf zu verzichten, die Zivilbevölkerung des Gazastreifens kollektiv für die Verbrechen der Hamas zu bestrafen. Ein Massaker rechtfertigt nicht das nächste. Dies wird nur zu weiteren Verwüstungen führen und den Kreislauf der Gewalt weiter anheizen. Wir rufen zu einem sofortigen Waffenstillstand und zur Deeskalation auf.
  3. die gewaltsame Unterdrückung des palästinensischen Volkes zu beenden. Die Apartheid, die jahrzehntelange Besatzung des Westjordanlandes, die 16-jährige Belagerung des Gazastreifens mit zwei Millionen Palästinensern und die Auslöschung der Erinnerung an die Nakba tragen alle zur Verrohung und Gewalt bei. Ihnen muss dringend ein Ende gesetzt werden. Es gibt keinen anderen Ausweg.
    Wir dürfen unsere Trauer und unseren Schock nicht dazu benutzen, Rache zu üben und weiteres Blutvergießen unter der Zivilbevölkerung zu verursachen. Wir rufen die israelische Führung, die palästinensische Führung, die Regierung der Vereinigten Staaten, die internationale Gemeinschaft und alle friedenssuchenden Menschen auf der ganzen Welt auf, sich gemeinsam für ein schnelles Ende der derzeitigen Gewalt und für einen echten und gerechten Frieden zwischen Israelis und Palästinensern einzusetzen.

Text mit ständig wachsender Unterschriftenliste im Original ansehen:
Stand 22.10: 1024 Personen
To sign the petition, contact academics.speak.out@gmail.com or academics.speak.out@ElephantInitiative.org
For press inquiries, contact Dr. Omer Bartov at omer_bartov@brown.edu

Jüdische Stimme für einen gerechten Frieden in Nahost Stellungnahme zum aktuellen Gaza-Krieg und der Gewalteskalation in Israel

Nach diesem Wochenende fällt es schwer, die richtigen Worte zu finden. Wir sind voller Trauer um die Toten, in Gedanken bei den Trauernden und Verletzten, voller Angst um Freund:innen und Verwandte in ganz Israel-Palästina.
Wir sind auch wütend, wütend auf die Unterstützer des 75jährigen israelischen Kolonialregimes und die Blockade des Gazastreifens, die zu diesen Ereignissen geführt hat.

Nun ist eingetreten, wovor viele in unseren Reihen seit Jahren gewarnt haben. 16 Jahre Blockade, Mangel an sauberem Wasser, Strom, medizinischer Versorgung sowie regelmäßige Bombenangriffe haben Gaza zu einem Pulverfass gemacht. Gaza gilt laut UN seit 2020 als unbewohnbar. Was nun geschehen ist, glich einem Gefängnisausbruch, nachdem die Insassen zur lebenslangen Haft verurteilt wurden, nur weil sie Palästinener:innen sind.

Die israelische Regierung hat eine Kriegserklärung abgegeben, doch der Krieg gegen die palästinensische Bevölkerung dauert schon 75 Jahre. Vertreibung, Bombardements, Verhungern, Verdursten, Beschränkung von Essen, Strom, Wasser – das sind die Wurzeln der Gewalt.

Viele in Deutschland zeigen sich gerade solidarisch mit Israel, mit einem Apartheidstaat, der eine rassistische Politik gegen das palästinensische Volk ausübt, die schon Zehntausende das Leben gekostet hat. Doch wer das Blutvergießen tatsächlich beenden möchte, muss sich für eine radikale Veränderung der bisherigen Politik einsetzen, damit alle Menschen in Freiheit leben können.
Die deutsche Regierung hat seit Jahren keine Außenpolitik in Israel-Palästina. Die Palästinenser:innen werden in Deutschland systematisch entmenschlicht: Sie dürfen für ihre politischen Rechte und Aufforderungen nicht demonstrieren, ihre Geschichte, Identität oder Gefühle zeigen. Die deutsche Politik hat den gewaltlosen Widerstand in Form von BDS oder Demonstrationen immer wieder kriminalisiert und unterdrückt.

Wir fordern die deutsche Regierung auf, ihr eigenes Grundgesetz zu respektieren: die Kriegsverbrechen und Menschenrechtsverletzungen Israels nicht mehr zu unterstützen, Meinungs- und Versammlungsfreiheit zu sichern und sich dafür einzusetzen, dass alle Menschen zwischen dem Mittelmeer und dem Jordan die gleichen Rechte bekommen.

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Bündnis für Gerechtigkeit zwischen Israelis und Palästinensern ev. (BIP) zum Krieg in Israel/Palästina

Die deutsche Außenministerin erklärte zum jüngsten Angriff der Hamas auf Ziele in Israel: »Hamas eskaliert die Gewalt. Ich verurteile die terroristischen Angriffe aus Gaza gegen Israel aufs Schärfste. Gewalt und Raketen gegen Unschuldige müssen sofort aufhören.« »Israel hat unsere volle Solidarität und das völkerrechtlich verbriefte Recht, sich gegen Terror zu verteidigen.«
BIP trauert um die Menschen, die bereits ihr Leben verloren haben. Gewalt, egal von welcher Seite, ist inakzeptabel. Jedes Leben ist wertvoll. Daher setzen wir uns weiterhin für eine Zukunft in Freiheit, Sicherheit und Gerechtigkeit für alle Menschen in Israel und Palästina ein.

BIP anerkennt das völkerrechtlich verbriefte Recht, sich gegen Angriffe von außen zu verteidigen. Das Völkerrecht betont aber auch die Pflicht zur Verhältnismäßigkeit der Maßnahmen. Daran hat es in der Vergangenheit gemangelt, und so wird es nach den israelischen Ankündigungen auch jetzt wieder zu befürchten sein.

So vermisste BIP entsprechende Verurteilungen durch die Bundesregierung, als vor Monaten die israelische Gewalt in Huwara (Israelische Journalisten und Wissenschaftler sprachen hier von einem Pogrom), die Vertreibung der Palästinenser aus Masafer Yatta sowie die Unterstützung der Siedlergewalt durch die israelische Regierung eskalierte.

Der Elefant im Raum ist die seit 56 Jahren bestehende völkerrechtswidrige Besatzung und fortwährende Annexion palästinensischen Landes, die Abriegelung des Gazastreifens, der Siedlungsbau, der nach einem Gutachten des IGH völkerrechtswidrige Bau der Sperranlage, massenhafte politische Inhaftierungen („Administrativhaft“), Hauszerstörungen, die gegen Art. 49 der auch von Israel unterzeichneten Vierten Genfer Konvention verstoßen.

BIP solidarisiert sich mit der Erklärung der Jewish Voice for Peace vom 8.Oktober unter der Überschrift: Die Wurzel der Gewalt ist Unterdrückung:

„Seit 16 Jahren erstickt die israelische Regierung die Palästinenser im Gazastreifen unter einer drakonischen Luft-, See- und Land-Militärblockade, hält zwei Millionen Menschen gefangen, lässt sie hungern und verweigert ihnen medizinische Hilfe. Die israelische Regierung richtet routinemäßig Massaker an den Palästinensern in Gaza an. Zehnjährige, die in Gaza leben, sind in ihrem kurzen Leben bereits durch sieben große Bombenangriffe traumatisiert worden.“

Es ist unvermeidlich, dass unterdrückte Menschen überall ihre Freiheit, Sicherheit und Gleichheit suchen. Der einzige Weg dorthin besteht darin, die Ursachen der Gewalt zu beseitigen, angefangen bei der Mitschuld unserer eigenen Regierung.
Ex-UN-Generalsekretär Ban Ki-Moon: „Es liegt in der Natur des Menschen, auf die Besatzung zu reagieren, die oft als mächtiger Brutkasten des Hasses und des Extremismus dient.“

Bündnis für Gerechtigkeit zwischen Israelis und Palästinensern e.V. (BIP)

Der Vorstand
Dr. Martin Breidert, Ekkehart Drost, Dr. Götz Schindler

Botschaft der Jüdisch-Arabischen Bewegung für Frieden, Gleichheit und soziale Gerechtigkeit in Israel & Palästina Standing Together

Der heutige Tag war herzzerreißend. Keine Worte können die Familien und Freunde der getöteten Menschen angemessen trösten oder die Sorgen um das Schicksal der Vermissten und Entführten lindern.

Der heutige Tag war ein Beweis dafür, dass die fortgesetzte Besatzung niemanden sicherer macht. Ganz gleich, wie viele Mauern gebaut werden, solange wir uns vom Weg des Krieges leiten lassen, werden wir weiterhin mit Blut bezahlen.

Wenn wir die Richtung nicht ändern, in die wir uns bewegen, sind wir dazu verdammt, die Schrecken von heute weiter zu erleben. In diesem Land leben zwei Völker, und wenn es uns nicht gelingt, beiden ein Leben in Frieden, Freiheit und Unabhängigkeit zu ermöglichen, wird keiner von uns jemals in Frieden schlafen können.

Kairos Palästina Erklärung zum Krieg gegen Gaza

Wenn ich auf das Feld hinausgehe, siehe, die Erschlagenen mit dem Schwert! Und wenn ich in die Stadt gehe, siehe, da sind die Hungernden! Ja, sowohl der Prophet als auch der Priester gehen umher in ein Land das sie nicht kennen. Jeremia 14:18

Der Krieg gegen den Gazastreifen hat wieder begonnen, aber diesmal von Gaza aus. Er hat in Israel großes Leid und Zerstörung verursacht. Viele halten ihn für einen ungerechten Krieg gegen Israel. Aber die Frage, die sich jeder Mensch und jeder, der sich für Frieden und Gerechtigkeit einsetzt, stellen muss, lautet: Warum hat dieser Krieg begonnen?

Wir alle sagen: Nein zum Krieg. Wir alle sagen Ja zum Frieden und zum Einsatz für eine gerechte und endgültige Lösung eines bestehenden Konflikts und für die Beendigung der Ungerechtigkeit, die dem palästinensischen Volk seit mehr als 70 Jahren auferlegt wurde. Israel misst dem palästinensischen Volk keine Existenzberechtigung zu, und die internationale Gemeinschaft ist zu schwach, um ihre Beschlüsse für eine gerechte und endgültige Lösung umzusetzen.
Wir alle trauern und trösten alle Opfer auf beiden Seiten des Konflikts. Ein Mensch ist ein Mensch, sowohl ein israelischer als auch ein palästinensischer, und jeder Mensch ist wertvoll in den Augen Gottes und in den Augen seiner Familie, seiner Verwandten und seiner Lieben.

Nein zum Krieg, ja zu einem gerechten und endgültigen Frieden.

Was ist der Grund für diesen plötzlichen Krieg, der von Gaza ausging?
Die unmittelbare Ursache des Krieges war die Bildung der rechtsextremen israelischen Regierung, die die Angriffe auf die Al-Aqsa-Moschee zuließ und förderte und die religiösen Gefühle von Muslimen und Christen herausforderte, trotz der wiederholten Ultimaten und Warnungen, die aus Gaza, von palästinensischen Führern und anderen religiösen und politischen Führern weltweit kamen. Dieselbe Regierung hat auch die Ausbreitung von Siedlern im gesamten besetzten Palästina, vom Norden bis zum Süden, zugelassen, die unter der Aufsicht und dem Schutz der israelischen Besatzungsarmee das Land verwüsten, Palästinenser angreifen, sie töten und ihr Land beschlagnahmen.

Die Hauptursachen für den Krieg sind der ständige Zustand des Terrors, in dem wir Palästinenser täglich unter der Herrschaft und Tyrannei der israelischen Besatzungsarmee leben, und das absolute Beharren der verschiedenen israelischen Regierungen, insbesondere dieser Regierung, dass es keinen palästinensischen Staat gibt und das palästinensische Volk kein Recht auf Selbstbestimmung hat. Und all die Konsequenzen, die sich daraus ergeben.
Hinzu kommt die erdrückende Belagerung des Gazastreifens (zwei Millionen Menschen auf einer Fläche von nicht mehr als 360 km2). Seit 2007 bis heute leben die Menschen in Gaza in einem großen offenen Gefängnis, in dem es an allen menschenwürdigen Lebensbedingungen fehlt.

Dieser Krieg ist eine Reaktion und Antwort auf all das. Dieser Krieg ist eine Forderung nach israelischer und internationaler Anerkennung der Existenz des palästinensischen Volkes und seiner Rechte wie die aller anderen Völker. Er ist eine Forderung nach Gerechtigkeit und Freiheit. Er ist eine Forderung nach Unabhängigkeit in einem anerkannten Staat mit dem arabischen Jerusalem als Hauptstadt.

Dieser Krieg ist eine Mahnung an die israelischen Machthaber, dass Waffen weder schützen noch Sicherheit bieten. Waffen verursachen nur den Tod. Sie bringen niemandem das Leben. Wir wollen nicht den Tod, sondern das Leben. Wir wollen Freiheit, Gerechtigkeit und Unabhängigkeit. Wir sagen Ihnen jetzt, was wir in unserem Kairos-Dokument 2009, die Stunde der Wahrheit, gesagt haben: “Unsere Zukunft und Israels Zukunft sind eins. Entweder der Kreislauf der Gewalt, der uns beide zerstört, oder der Frieden, der beiden zugutekommt.”

Wir bekräftigen auch, was der kolumbianische Präsident als Reaktion auf den derzeitigen Krieg gesagt hat: “Die einzige Möglichkeit für israelische Kinder, in Frieden zu schlafen, ist die, dass palästinensische Kinder in Frieden schlafen.”

Wir alle weinen um alle, die gestorben sind, verletzt wurden oder in Gefangenschaft geraten sind. Wir weinen schon seit mehr als siebzig Jahren. Flüchtlinge in allen Teilen der Welt bitten um ihre Rückkehr. In Deinen Gefängnissen, Israel, sitzen Tausende von politischen Gefangenen, die ihre Freiheit fordern. Es gibt Palästinenser, die gewaltsam vertrieben wurden, Häuser, die Sie zerstört haben, Häuser, die Sie Tag und Nacht überfallen haben und in denen Sie Terror verbreiteten.

Dieser Krieg ist gekommen, um zu sagen, dass es an der Zeit ist, dass alle aufwachen und die Wahrheit darüber erfahren, was in Palästina und Israel geschieht, dass Israel sich in einem Land niedergelassen hat, das dem palästinensischen Volk gehört, und dass es das palästinensische Volk seiner Freiheit beraubt hat. Diese Situation muss korrigiert werden. Die Korrektur ist nicht schwierig. Das Völkerrecht und die internationalen Normen sind für die Palästinenser akzeptabel. Darauf sollten wir uns einigen.

Dieser Krieg hat gezeigt, dass Waffen nicht schützen, und dass die Starken, die die Schwachen unterschätzen, sich nicht schützen und keine Sicherheit finden werden. Sichere Herzen sind sichere Festungen. Die Herzen der Palästinenser sind Ihr einziger Schutz, wenn ihnen ihre volle Freiheit, ihre Würde und ihr Staat zurückgegeben werden.

Wenn Eure Herzen rein sind, werden Eure Dienste nicht mehr sagen: “Tod den Arabern”, und der Slogan einiger Eurer Vertreter in der Knesset wird nicht mehr lauten: “Nein, zum Frieden mit den Arabern und Tod den Arabern”.

Es ist an der Zeit, dass die Machthaber und Freunde Israels begreifen, dass der Frieden des Landes und der Frieden Israels der Frieden des palästinensischen Volkes ist. Hört auf damit, das himmelschreiende Unrecht, das uns angetan wird, zu unterstützen.

Glauben Sie nicht, dass Ihr umfassender und zerstörerischer Krieg gegen Gaza die Lösung ist. Denken Sie nicht, dass Ihre ethnische Säuberung der Palästinenser in Gaza die Lösung ist! Wir sind Menschen wie Ihr. Wir wollen das Leben wie Ihr. Wir wollen alle unsere Rechte wie Ihr.

Wir sind nur durch die Gnade Gottes auf dieser Erde, nicht durch die Gnade irgendeines menschlichen Wesens. Und wir werden auf ihr bleiben. Kommt zu einer Verständigung. Begebt Euch auf den Weg eurer richtigen und dauerhaften Sicherheit und unserer richtigen und dauerhaften Sicherheit. Wir alle leben in einem heiligen Land, unserem und Eurem. Lasst uns auf Gottes Wegen wandeln, gemeinsam auf alle Gewalt verzichten, uns auf das gute Wort verlassen, eine neue Zukunft beginnen und ein neues Land aufbauen.

Oh Gott, lehre uns deine Wege, damit wir auf ihnen wandeln können.
Gemeinsam können wir einen Frieden aufbauen, der Frieden für die Region und die Welt bedeutet.
Oh Gott, lehre uns deine Wege, damit wir auf ihnen wandeln können.
Gemeinsam können wir einen Frieden schaffen, der Frieden für die Region und die Welt sein wird
Wende dich ab vom Bösen und tue Gutes; suche Frieden und jage ihm nach.
Die Augen des HERRN sind auf die Gerechten gerichtet und seine Ohren auf ihr Schreien.
Psalm 34:14-15

Gemeinsames Votum von israelischen NGOs

Wir, die Mitglieder der unterzeichnenden Menschenrechtsorganisationen in Israel, sind in diesen furchtbaren Tagen schockiert und entsetzt.
Die schrecklichen Verbrechen der Hamas gegen unschuldige Zivilisten – darunter Kinder, Frauen und ältere Menschen – haben uns alle erschüttert, und wir haben Mühe, uns von den unerträglichen Bildern und Lauten zu erholen. Einige von uns waren während des Angriffs in den israelischen Gemeinden an der Grenze zum Gazastreifen; viele von uns haben Familienangehörige, Freunde und Kollegen, die die erschütternden Ereignisse miterlebt haben und immer noch mit ihnen zu tun haben; und wir alle kennen Menschen, die ermordet, verletzt oder entführt wurden. Es wird einige Zeit dauern, bis wir die Tragweite und die Folgen des abscheulichen Angriffs der Hamas, für den es keine Rechtfertigung geben kann, vollständig verstehen.

Die meisten unserer Teams bestehen aus Israelis und Palästinensern; daher haben einige von uns Verwandte und Kollegen im Gazastreifen, die derzeit unter den anhaltenden Angriffen des israelischen Militärs leben. Kinder, Frauen und ältere Menschen werden wahllos angegriffen und können sich nirgendwo verstecken.
Auch jetzt – und gerade jetzt – müssen wir unsere moralische und menschliche Haltung bewahren und dürfen nicht der Verzweiflung oder dem Drang nach Rache nachgeben. Unser Glaube an den menschlichen Geist und das ihm innewohnende Gute ist wichtiger denn je. Eines ist klar: Wir werden unseren Glauben an die Menschlichkeit niemals aufgeben – auch jetzt nicht, wo dies schwieriger denn je ist.

Da wir uns schon immer gegen die Verletzung unschuldiger Zivilisten gewehrt haben, bleibt es in diesen schrecklichen Zeiten unsere Pflicht – während wir auf israelischer Seite die Toten zählen und uns um verwundete, vermisste und entführte Angehörige sorgen, und während in Gaza Bomben auf Wohnviertel abgeworfen werden, die ganze Familien auslöschen, ohne die Möglichkeit, die Toten zu begraben -, unsere Stimme laut und deutlich gegen die Verletzung aller unschuldigen Zivilisten zu erheben, sowohl in Israel als auch in Gaza.

Wir fordern die sofortige Freilassung aller Geiseln und ein Ende der Bombardierung von Zivilisten in Israel und in Gaza. Humanitäre Hilfe muss die Zivilbevölkerung erreichen können, medizinische Einrichtungen und Zufluchtsorte dürfen nicht beschädigt werden, und lebenswichtige Ressourcen wie Wasser und Strom dürfen nicht abgeschnitten werden. Die Tötung weiterer Zivilisten wird die verlorenen Menschen nicht zurückbringen. Wahllose Zerstörungen und eine Belagerung, die Unschuldige trifft, werden keine Erleichterung, Gerechtigkeit oder Ruhe bringen.

Als Menschen, die sich für die Förderung der Menschenrechte einsetzen und an die Unantastbarkeit des Lebens glauben, fordern wir dringend ein Ende aller wahllosen Zerstörungen von Leben und Infrastruktur der Zivilbevölkerung. Wir rufen dazu auf, Verhandlungen zu führen und alle möglichen Maßnahmen zu ergreifen, um die Freilassung der Geiseln herbeizuführen – wobei die von der Hamas festgehaltenen Zivilisten Vorrang haben sollten. Das ist die einzig humane und vernünftige Maßnahme, und sie muss jetzt ergriffen werden.

Mothers Against Violence | Itach Ma’aki – Women Lawyers for Social Justice | Amnesty International Israel | BIMKOM – Planners for Planning Rights | B’Tselem | Gisha | The Association for Civil Rights in Israel | Public Committee Against Torture in Israel | Parents Against Child Detention | Hamoked – Center for the Defence of the Individual | Zazim – Community Action | Haqel – In Defense of Human Rights | Yesh Din | Yesh Gvul | Combatants for Peace | Mehazkim | Machsom Watch | Women Wage Peace | Akevot Institute for Israeli-Palestinian Conflict Research | Standing Together | Ir Amim | Emek Shaveh | The Parents Circle-Families Forum | Rabbis for Human Rights | Physicians for Human Rights–Israel | Breaking the Silence | Torat Tzedek

Erklärung des Ökumenischen Rates der Kirchen: ÖRK fordert einen neuen Ansatz zur Lösung des Konflikts in Palästina und Israel

Der ÖRK hat am 9.10. zunächst zum sofortigen Waffenstillstand aufgerufen: https://www.oikoumene.org/de/news/wcc-urgently-appeals-for-immediate-ceasefire-in-israel-and-palestine.

Es folgte am 13.10. eine Erklärung, die als Konsequenz des Gewaltausbruches einen Neuansatz in der Nahostpolitik fordert: https://www.oikoumene.org/de/node/74536

Der Ökumenische Rat der Kirchen (ÖRK) ruft nach den brutalen Gewalttaten, bei denen Tausende unschuldiger Zivilisten ihr Leben verloren haben, zu einem neuen Ansatz zur Lösung des Konflikts im Heiligen Land auf.

Nach den brutalen Gewalttaten, bei denen Tausende unschuldiger Zivilisten ihr Leben verloren haben, ruft der Ökumenische Rat der Kirchen (ÖRK) zu einem neuen Ansatz zur Lösung des Konflikts im Heiligen Land auf. Die heutige schreckliche Situation in Israel und Palästina mit so vielen Toten, Tausenden von Verletzten, vielen Familien, die entweder vertrieben wurden oder in Notunterkünften leben, und Hunderten, die in Gefangenschaft und Gefängnissen festgehalten werden, ist genau das, was wir alle befürchtet haben.

Seit der Unterzeichnung des Osloer Abkommens sind nun dreißig Jahre vergangen. In der Zwischenzeit ist die Zahl der Siedlungen auf mindestens 250 mit 800.000 Menschen angewachsen. Anstelle von Frieden erleben wir mehr Gewalt, Vertreibung und Krieg.

Die internationale Gemeinschaft muss anerkennen, dass ein neuer Ansatz mit dem Ziel einer gerechten Koexistenz notwendig ist. Der Friedensprozess hat beide Völker im Stich gelassen, Palästinenser und Israelis gleichermaßen. Was wir brauchen, ist ein neuer Ansatz, der Gerechtigkeit und gleiche Menschenwürde zur Grundlage des weiteren Weges macht. Die Geschichte hat uns gelehrt, dass ausbeuterische Abkommen, die den Anschein von Frieden erwecken, nicht lange Bestand haben und zu Blutvergießen führen, wie wir es jetzt erleben.

Die Oberhäupter der Kirchen in Jerusalem haben im Laufe des letzten Jahres nicht weniger als 12 Erklärungen abgegeben, in denen sie zu einem auf Gerechtigkeit basierenden Ansatz aufriefen und davor warnten, dass Eingriffe in den religiösen und historischen Status quo insbesondere in Jerusalem zu Gewalt führen würden.

Auf der 11. Vollversammlung des Ökumenischen Rates der Kirchen warnte die ökumenische Kirchenfamilie vor der bestehenden Situation zwischen Israelis und Palästinensern. Das Unrecht, das der palästinensischen Sache seit 1948 widerfahren ist, ist bis heute nicht wirklich in einer Weise aufgearbeitet worden, die das Zusammenleben beider Völker als Gleichberechtigte in Gerechtigkeit, Frieden und Versöhnung fördert. Gemeinsam mit unserer Kirchengemeinschaft haben wir uns verpflichtet, andere mögliche Optionen eingehend zu prüfen, die eine nachhaltige und echte Lösung für alle Parteien, die in demselben Land zwischen Jordan und Mittelmeer leben und zu ihm gehören, gewährleisten würden.

Unsere Forderung ist es, Klarheit über eine Zukunft zu schaffen, die auf Gerechtigkeit statt auf militärischer Macht beruht und in der das Völkerrecht konsequent und unparteiisch angewendet wird.

Wir müssen uns einen nachhaltigen Frieden für die Region ausdenken, einen Frieden, der die Zeit überdauert. Der Kern eines solchen Friedens ist Gleichheit und Gerechtigkeit. Wir hoffen und beten, dass unser Aufruf beherzigt wird und dass Palästinenser, Israelis und der gesamte Nahe Osten einen neuen Weg zum Frieden finden.

Pfarrer Prof. Dr. Jerry Pillay Generalsekretär, Ökumenischer Rat der Kirchen

Brief amerikanischer Kirchen an die Kongressabgeordneten vom 12.10.

Dear Members of Congress,
We have watched in sadness the devastating loss of life in Israel and the occupied Palestinian territories over the last several days. As Church-based denominations and organizations with deep ties to the Holy Land, we mourn with our Israeli and Palestinian siblings as they grieve the loss of loved ones and remain fearful of continued violence. Our commitment remains to a future in which both Israelis and Palestinians can live in peace, with security and human rights protected for all.

We unequivocally condemn Hamas’ attacks and call for the immediate release of all hostages in captivity. We also condemn the indiscriminate and violent Israeli response that has already claimed hundreds of civilian lives. The Israeli government’s decision to shut off power, water, and fuel will have a disastrous impact on millions of civilians in Gaza, including over a million children, especially those who need immediate medical attention. At this critical time, it is incumbent upon Congress to act in ways that will help de-escalate the violence and stop further loss of life. Specifically, we call on Congress to:

  1. Publicly call for ceasefire, de-escalation, and restraint by all sides
  2. Call on all parties to abide by the laws of war, including the Geneva Conventions and customary international law
  3. Prioritize steps to secure the immediate release of hostages and ensure international protection for civilians

During this time of heightened tension, we implore Congress to refrain from steps that only exacerbate the violence and increase the risk of expanding war into the broader region. Any Congressional effort that is one-sided and rushes to send new weapons to Israel will only intensify the conflict, leading to further deaths and destruction. Congress must work to prevent the spread of more violence, including against Palestinian civilians in Israel and the West Bank. Year after year, we have seen that increasing violence begets more violence. Our past responses have failed to end the bloodshed. As these horrific events unfold, we are reminded once again that only by addressing core systemic issues, including decades of institutionalized oppression and collective punishment of Palestinians through brutal military occupation and a 16-year Gaza blockade, will Israelis and Palestinians live in peace. We are grateful for your service to this country. We pray for wisdom and discernment on your behalf in the days ahead.

Sincerely,

Alliance of Baptists
American Baptist Churches USA
American Friends Service Committee
Christian Church (Disciples of Christ)
Churches for Middle East Peace
Church of the Brethren
Community of Christ
Church World Service
Evangelicals4Justice
Evangelical Lutheran Church in America
Fellowship of Reconciliation USA
Franciscan Action Network
Friends Committee on National Legislation
Lott Carey Baptist Foreign Mission Convention
Maryknoll Office for Global
Mennonite Central Committee U.S.
National Council of Churches
Pax Christi USA
Presbyterian Church USA Office of Public Witness
Quixote Center
Reformed Church in America
Sisters of Mercy of the Americas Institute Leadership Team
Sojourners
Unitarian Universalist Association
United Church of Christ
The United Methodist Church – General Board of Church and Society
United Women in Faith

Deutsche Übersetzung

Sehr geehrte Mitglieder des Kongresses,

mit Trauer haben wir in den letzten Tagen die verheerenden Verluste an Menschenleben in Israel und in den besetzten palästinensischen besetzten palästinensischen Gebieten in den letzten Tagen. Als kirchliche Konfessionen und Organisationen mit dem Heiligen Land verbunden, trauern wir mit unseren israelischen und palästinensischen Geschwistern, die den Verlust ihrer Lieben betrauern und weiter Angst vor anhaltender Gewalt haben. Wir setzen uns weiterhin ein für eine Zukunft, in der sowohl Israelis als auch Palästinenser in Frieden leben können, in Sicherheit und mit Menschenrechten, die für alle geschützt werden.

Wir verurteilen unmissverständlich die Angriffe der Hamas und fordern die sofortige Freilassung aller gefangengehaltenen Geiseln. Wir verurteilen auch die willkürliche und gewaltsame israelische Reaktion, die bereits Hunderte von zivilen Opfern gefordert hat. Die Entscheidung der israelischen Regierung, Strom, Wasser und Treibstoff abzustellen, wird katastrophale Auswirkungen auf Millionen von Zivilisten in Gaza haben, darunter über eine Million Kinder. Kinder, vor allem diejenigen, die sofortige medizinische Hilfe benötigen.

In dieser kritischen Zeit ist es Aufgabe des Kongresses, Maßnahmen zu ergreifen, die zur Deeskalation der Gewalt zu deeskalieren und weitere Verluste an Menschenleben zu verhindern. Konkret fordern wir den Kongress auf

  1. öffentlich zu Waffenstillstand, Deeskalation und Zurückhaltung auf allen Seiten aufzurufen,
  2. alle Parteien aufzufordern, sich ans Kriegsrecht zu halten, einschließlich der Genfer Konventionen und des Völkergewohnheitsrechts
  3. vorrangige Maßnahmen zur Sicherstellung der sofortigen Freilassung der Geiseln und des internationalen Schutzes für die Zivilbevölkerung.

In dieser Zeit erhöhter Spannungen bitten wir den Kongress inständig, von Schritten abzusehen, die nur die die Gewalt verschärfen und das Risiko einer Ausweitung des Krieges auf die gesamte Region erhöhen. Jede Bemühung des Kongresses, die einseitig ist und vorschnell neue Waffen an Israel liefert, wird den Konflikt nur verschärfen und zu weiteren Toten und Zerstörungen führen.
Der Kongress muss sich dafür einsetzen, die Ausbreitung von mehr Gewalt, auch gegen palästinensische Zivilisten in Israel und im Westjordanland, zu verhindern.

Wir haben Jahr für Jahr gesehen, dass zunehmende Gewalt zu mehr Gewalt führt. Unsere bisherigen
Reaktionen haben dem Blutvergießen kein Ende gesetzt. Angesichts dieser schrecklichen Ereignisse werden wir einmal mehr daran erinnert, dass wir nur dann ein Ende des Blutvergießens erreichen können, wenn wir die zentralen systemischen Probleme angehen, einschließlich der jahrzehnte-langen institutionalisierten Unterdrückung und kollektiven Bestrafung der Palästinenser durch brutale militärische Besatzung und eine 16-jährige Blockade des Gazastreifens, Israelis und Palästinenser in Frieden leben werden.

Wir sind dankbar für Ihren Dienst an diesem Land. Wir beten für Weisheit und Urteilsvermögen für Sie für Sie in den kommenden Tagen.

Mit freundlichen Grüßen
27 kirchliche. Organisationen und Kirchen

Stellungnahmen von Einzelpersonen

Post von Daniel Barenboim auf Instagram

I have followed the events of the weekend with horror and the utmost worry as I see the situation in Israel/Palestine worsening to unimaginable depths. Hamas’ attack on the Israeli civilian population is an outrageous crime, which I condemn fiercely. The death of so many in southern Israel and Gaza is a tragedy that will loom for a long time to come. The extent of this human tragedy is not only in lives lost but also hostages taken, homes destroyed, and communities devastated. An Israeli siege on Gaza constitutes a policy of collective punishment, which is a violation of human rights.

Edward Said and I always believed that the only path to peace between Israel and Palestine is a path based on humanism, justice, equality and an end to the occupation rather than military action, and I find myself today grounded in this belief more strongly than ever. In these trying times and with these words, I stand in solidarity with all victims and their families.

Daniel Barenboim

Deutsche Übersetzung

Ich habe die Ereignisse des Wochenendes mit Entsetzen und größter Sorge verfolgt, da ich sehe, wie sich die Lage in Israel/Palästina in unvorstellbarem Ausmaß verschlechtert. Der Angriff der Hamas auf die israelische Zivilbevölkerung ist ein ungeheuerliches Verbrechen, das ich auf das Schärfste verurteile. Der Tod so vieler Menschen im Süden Israels und im Gazastreifen ist eine Tragödie, die noch lange Zeit nachwirken wird. Das Ausmaß dieser menschlichen Tragödie zeigt sich nicht nur in den verlorenen Menschenleben, sondern auch in den Geiselnahmen, den zerstörten Häusern und den verwüsteten Gemeinden. Die israelische Belagerung des Gazastreifens stellt eine Politik der kollektiven Bestrafung dar, die eine Verletzung der Menschenrechte ist.

Edward Said und ich haben immer geglaubt, dass der einzige Weg zum Frieden zwischen Israel und Palästina ein Weg ist, der auf Humanismus, Gerechtigkeit, Gleichheit und einem Ende der Besatzung basiert, und nicht auf militärischen Maßnahmen, und ich bin heute mehr denn je in dieser Überzeugung gegründet. In diesen schwierigen Zeiten und mit diesen Worten stehe ich in Solidarität mit allen Opfern und ihren Familien.

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Rundmail von Sumaya Farhat-Naser.

Liebe Freunde,

mit schmerzenden Herzen schreibe ich Euch, denn die Eskalation in Palästina und Israel ist eine katastrophale Entwicklung, die für Euch überraschend und unerwartet schien. Doch wir wussten, dass es kommen wird. Die brutale Besatzungspolitik der letzten zwei Jahren und erst recht der letzten Monaten hielt uns in Atem wartend, dass jeden Tag ein Krieg ausbrechen würde.

Da ich hier in Deutschland höre, sie seien alle überrascht, dass der Krieg ausbrach und sie es nicht fassen können, denn es sei alles so ruhig gewesen, warum kommt plötzlich ein Krieg, das verpflichtet mich Euch allen eine Erklärung der Situation,
keineswegs ist die Absicht verteidigen oder rechtfertigen. Im Gegenteil: Ich verurteile und halte das Geschehen als ein Verbrechen gegen die Menschheit.

Die Besatzung dauert seit 56 Jahren und die Aussicht auf eine Lösung verschwindet von Jahr zu Jahr. Die PLO und die Palästinensische Autorität haben Israel anerkannt, haben sich für friedliche Verhandlungen verpflichtet und Gewalt abgelegt, doch im Gegenzug hat die israelische Politik die Annexion und Landnahme fortgesetzt und seit zehn Jahren keine Gespräche mit der palästinensischen Behörden zugelassen. Israel hat bereits 63% der Westbank annektiert. Das hat Hamas stark gemacht ihre Politik der Gewaltvollen Widerstand als die Rettung verkündet und angestrebt. Hamas hat Israel nicht anerkannt und sieht eine Lösung nur durch Gewaltanwendung. Die meisten menschen in Palästina wollen das nicht. Doch jetzt gewinnt Hamas an Bewunderung und Vertrauen und Palästinensische Autorität verliert an Respekt und Glaubwürdigkeit.

Das wird uns in noch schlimmere Katastrophe bringen. In den letzten zwei Jahren sind 20 Orte entleert von ihren Bewohner, die vertrieben worden sind, ihre Wohnorte sind total zerstört worden im Jordantal und im Gebiet von Hebron. Im letzten Jahr waren 370 Palästinenser und 29 Israelis getötet worden. In diesem Jahre sind 248 Palästinenser darunter 40 Kinder getötet worden in der Westbank. Jetzt im Krieg sind hunderte Israelis und hunderte Palästinenser getötet worden und leider fürchten wir, dass die Toten auf beiden Seiten noch mehr werden. Warum wartet man, dass so viele menschen getötet werden, damit man nach Lösungen sucht?

Die terroristischen Attacken der Siedler in vielen Dörfer und an den palästinensischen Strassen waren nicht nur geduldet, sondern unter Militär- und Polizeischutz durchgeführt. Seit zwei Jahren und verstärkt seit einem Monat werden moslemische Menschen vom Aqua Moschee vertrieben , damit hunderte Jüdische fanatisch-religiöse dort beten können. Der Konflikt wird zunehmend religiös gemacht und da verschwindet die Logik. Das war der Funke, der den Krieg zum Ausbrechen beachte. Jegliche Rufe zur Intervention um die Brutalität zu stoppen blieben ungeachtet und verschwiegen seines der USA und der europäischen Staaten, die allein im Stande wären Verhandlungen in die Wege zu leiten und diese Politik zum stoppen. Nichts geschah. Alle schweigen und wer schweigt ist mitverantwortlich für das, was geschieht.

Dennoch, niemals darf der krieg und das Töten von Menschen gebilligt werden. Töten und Geiselnahme von Zivilisten und jedes Töten ist ein Verbrechen, egal wer es tut an wen getan wird. Anstrengungen müssen sofort eingeleitet werden, damit das Töten sofort gestoppt wird. Warum wartet man, dass noch mehr hunderte oder tausende getötet werden? Die Ängste und Albträume die jetzt auf beiden Seiten hochkommen versperren den Weg zur Versöhnung. (…) Gott möge alle beschützen und den Frieden ermöglichen

Sumaya

Amira Hass am 16.10. in Haaretz an Bundeskanzler Scholz

Bundeskanzler Olaf Scholz, Ihre Aufgabe ist es, den Zerstörungsfeldzug zu stoppen.

Amira Hass
Haaretz, 16. Oktober 2023

Bundeskanzler Olaf Scholz sagte am vergangenen Donnerstag: „Das Leid und die Not der Zivilbevölkerung im Gazastreifen werden nur noch zunehmen. Auch dafür ist die Hamas verantwortlich.“ Aber gibt es eine Grenze für dieses zunehmende Leid, wenn man bedenkt, dass Sie und Ihre Kollegen im Westen Israel uneingeschränkt unterstützt haben?

Werden Sie es hinnehmen, dass 2.000 palästinensische Kinder getötet werden? Sind 80.000 ältere Menschen, die möglicherweise an Dehydrierung gestorben wären, wenn die Wasserversorgung aus Israel nicht erneuert worden wäre, in Ihren Augen eine legitime Zunahme des Leidens?

Sie sagten auch: „Unsere eigene Geschichte, unsere Verantwortung, die sich aus dem Holocaust ergibt, macht es für uns zu einer ewigen Aufgabe, für die Existenz und Sicherheit des Staates Israel einzutreten.“ Aber Herr Scholz, es gibt einen Widerspruch zwischen diesem Satz und dem oben zitierten.

„Das Leid und die Not werden zunehmen“ ist ein Blankoscheck für ein verwundetes, verletztes Israel, das hemmungslos vernichten, zerstören und töten darf, und riskiert, uns alle in einen regionalen Krieg zu verwickeln, wenn nicht sogar in einen dritten Weltkrieg, der auch Israels Leben gefährden würde, seine Sicherheit und Existenz. Wohingegen „Verantwortung, die sich aus dem Holocaust ergibt“, bedeutet, alles zu tun, um einen Krieg zu verhindern, der in einem endlosen Kreislauf zu Katastrophen führt, die zu Kriegen führen, die das Leid vergrößern.

Das habe ich von meinem Vater gelernt, einem Überlebenden der deutschen Viehwaggons bereits 1992 sagte er mir jedes Mal, wenn ich aus Gaza mit Berichten über die Unterdrückung seiner Bewohner durch Israel zurückkam: „Es stimmt, das ist kein Völkermord, wie wir ihn erlebt haben, aber für uns endete er nach fünf oder sechs Jahren. Für die Palästinenser dauert das Leid seit Jahrzehnten an.“ Es ist eine andauernde Nakba.

Ihr Deutschen habt Eure Verantwortung, die sich „aus dem Holocaust“ ergibt – also aus der Ermordung unter anderem der Familien meiner Eltern und dem Leid der Überlebenden – längst verraten. Sie haben sie verraten, indem Sie ein Israel vorbehaltlos unterstützt haben, das besetzt, kolonisiert, den Menschen Wasser entzieht, Land stiehlt, zwei Millionen Menschen in Gaza in einem überfüllten Käfig einsperrt, Häuser zerstört, ganze Gemeinden aus ihren Häusern vertreibt und Siedlergewalt fördert.

Und das alles geschah unter der Schirmherrschaft eines sogenannten Friedensabkommens, dem Sie und andere westliche Führer zugestimmt haben. Sie haben zugelassen, dass Israel im Widerspruch zu diesem Abkommen in seiner europäischen Interpretation handelt – als Weg zur Gründung eines palästinensischen Staates in den von Israel 1967 besetzten Gebieten, den viele Palästinenser gerade deshalb unterstützten, weil sie weiteres Leid und Blutvergießen verhindern wollten.
Es gibt genügend Diplomaten und Mitarbeiter von Hilfsorganisationen, die darüber berichtet haben, wie Hunderttausende junge Palästinenser unter der arroganten Unterdrückung durch Israel und der willkürlichen Tötung von Zivilisten jede Hoffnung und jeden Sinn ihres Lebens verloren haben. Palästinensische Menschenrechtsaktivisten haben immer wieder gewarnt, dass Israels Politik nur zu einem Gewaltausbruch unvorstellbaren Ausmaßes führen könne. Auch israelische und jüdische Friedensaktivisten haben Sie gewarnt.

Aber Sie sind Ihrem Weg treu geblieben und haben Israel die Botschaft übermittelt, dass alles in Ordnung sei – dass niemand es bestrafen oder den Israelis durch energische diplomatische und politische Schritte beibringen wird, dass es mit der der Besatzung keine Normalität geben kann. Und dann bezichtigten Sie Israels Kritiker des Antisemitismus.

NEIN, diese Kolumne ist keine Rechtfertigung für die Mord- und Sadismusorgie, die die bewaffneten Hamas-Männer begangen haben. Es ist auch keine Rechtfertigung für die schadenfrohen Reaktionen einiger Palästinenser und die Weigerung anderer, sich mit den in ihrem Namen begangenen Gräueltaten auseinanderzusetzen.
Vielmehr ist es ein Aufruf an Sie, die aktuelle Kampagne des Todes und der Zerstörung zu stoppen, bevor sie eine weitere Katastrophe über Millionen von Israelis, Palästinenser, Libanesen und vielleicht sogar Bewohner anderer Länder in der Region bringt.

Übersetzt aus dem Hebräischen und Englischen

Auszüge aus Interviews

“Die Hamas ist nicht das palästinensische Volk. Und Netanjahu ist nicht Israel.” Zitate aus dem STERN-Interview mit dem israelischen Bestseller-Autor Etgar Keret

Wie erklären Sie sich den Angriff der Hamas?

Seitdem Netanjahu an der Macht ist, hat er eine sehr simple Theorie. Und die lautet: “Ich will keinen palästinensischen Staat. Und die einzige Art, einen palästinensischen Staat zu vermeiden, besteht darin, die Hamas zu stärken.” Das hat er ganz offen in einem Regierungs-Meeting gesagt. Und Bezalel Smotrich, sein faschistischer Koalitionspartner, sagte: “Wir brauchen eine stärkere Hamas und eine schwächere palästinensische Autonomiebehörde.” Während all dieser letzten Jahre sind wir durch ein Ritual der menschlichen Opfer gegangen. Alle paar Jahre hat Israel eine Militäroperation unternommen, bei der Israelis und Palästinenser starben, während uns Netanjahu versicherte: “Die Sache ist unter Kontrolle. Ich habe einen Deal mit dem Teufel. Ein paar Leute werden sterben, aber das ist der Preis.” In diesem Versuch, die Möglichkeit eines palästinensischen Staates zu blockieren – der die einzige normale und moralisch vertretbare Lösung unserer Konflikte wäre – gab es einen unsichtbaren Pakt zwischen Netanjahu und der Hamas.

Als der israelische Ministerpräsident Jitzchak Rabin 1995 ermordet wurde, hatte Netanjahu keinerlei Chance zu gewinnen. Denn normalerweise gewinnt deine Partei keine Wahl, wenn du einen Ministerpräsidenten tötest. Dann begann die Hamas plötzlich von einem Tag auf den anderen mit ihren tödlichen Selbstmordattentaten. Und die Leute sagten: “Shimon Perez wird das nicht regeln können.” Also stimmten sie für Netanjahu. Und kaum war Netanjahu an der Macht, hörte die Hamas auf mit ihren Terroranschlägen. Denn sie brauchten keinen Terror mehr. Denn weder die Hamas noch Netanjahu wollen einen palästinensischen Staat. Die Hamas ist nicht das palästinensische Volk. Und Netanjahu ist nicht Israel.“ (…)

Was ist ihre Utopie für Israel?

Israel sollte die Sackgasse einer Politik im Stile Trumps verlassen, wo man immer nur irgendeinen Feind ins Visier nimmt. Israel sollte einfach die Realität anerkennen, dass wir hier Menschen sind, die zusammenleben wollen. Wenn es gelingt, das überhitze Trump-Klima zu verlassen und eine Politik zu finden, bei der es nicht mehr darum geht, Leute gegeneinander aufzuhetzen, sondern darum, Lösungen anzubieten und an gehaltenen Versprechungen gemessen zu werden, dann wäre das der Himmel.

Und was wünschen Sie sich für die Palästinenser?

Dass sie eine Führung bekommen, die wirklich in ihrem Interesse handelt. Die Hamas hat nicht an palästinensische Interessen gedacht, als sie Israel angegriffen hat. Sondern an iranische Interessen. Natürlich will Iran, dass Israel die Hamas attackiert und Bomben auf Gaza wirft, statt auf Teheran. Dies ist ein Stellvertreter-Krieg. Die Palästinenser haben es verdient, eine Führung zu bekommen, die sich wirklich um ihre Interessen kümmert. Genau wie Israel.

Sie sprechen sich seit langem für eine friedliche Lösung des israelisch-palästinensischen Konflikts aus. Halten sie eine Aussöhnung überhaupt noch für möglich?

Ja, das tue ich. Denn ich lebe hier. Und ich glaube, dass das, was hier gerade passiert, ein Weckruf sein sollte. Die Menschen beider Konfliktparteien sollten sagen: “Okay, wir haben es 23 Jahre lang mit extremistischer Gewalt versucht. Es hat nicht geklappt.” Also sollten wir einen Strich drunter machen und sagen: “Diese Zeit liegt hinter uns.” Jetzt sollten beide Seiten eine Führung suchen, die uns eine Zukunft verspricht, die optimistisch ist und nicht darin besteht, deinen Nachbarn zu zerstören.“